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Münster - Als „skandalöser Angriff auf Arbeitnehmerrechte und medienpolitische Entgleisung“ bezeichnet die Münsteraner SPD-Spitze die aktuelle Entwicklung bei der „Münsterschen Zeitung“ (MZ). In einer gemeinsamen Presseerklärung solidarisieren sich der SPD-Vorsitzende Christoph Strässer (MdB) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Heuer mit den fast 20 Redakteuren und Mitarbeitern der MZ-Lokalredaktion, die von ihrem Arbeitgeber „eiskalt auf die Straße gesetzt worden sind“.

Christoph Strässer (SPD)
Auch der münsteraner CDU-Politiker Ruprecht Polenz (MdB) zeigte sich nach einem Bericht der Westfälischen Nachrichten "überrascht und betroffen". Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wertete die Freistellung der gesamten Lokalredaktion als "unsozialen und menschenverachtenden Akt".
Der Betriebsrat des Verlagshauses rechnet indes mit einer weiteren Entlassungswelle innerhalb der Radaktionen im Kreis Steinfurt.
Hintergrund:
Die 19 Redakteure und Mitarbeiter der Lokal-Redaktion der Münsterschen Zeitung (MZ) in Münster stehen auf der Straße. In einem beispiellosen Schritt haben der Dortmunder Verleger Lambert Lensing-Wolff und sein münsterscher Verlagsleiter Lutz Schumacher alle Redaktionsmitglieder am Freitag faktisch von ihren bisherigen Arbeitsplätzen ausgesperrt. Durch die Freistellungen und neue Unterfirmen will der Verleger nach seinen Angaben die "bundesweit modernsten Redaktionsstrukturen" schaffen.
Skandalös und zynisch ist für den Presseverein Münster-Münsterland e.V, dieser beispiellose Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen der Münsterschen Zeitung. "Verleger Lambert Lensing-Wolff will mit seiner MZ damit den Sprung in die Moderne schaffen, dabei bewegt er sich aber eher zu den Methoden des Manchesterkapitalismus zurück", erklärt der Vorsitzende des Pressevereins, Werner Hinse. Im Presseverein sind über 400 Journalistinnen und Journalisten im Münsterland organisiert. Über den Verein bekommen MZ-Kollegen auch juristische Unterstützung gegen die Freistellung durch den Deutschen Journalisten-Verband NRW (DJV).
19 der fest angestellten Redakteure und Mitarbeiter der bisherigen MZ-Redaktion droht nun die Arbeitslosigkeit. Den erfahrenen Redakteuren, die zum Teil seit Jahrzehnten für ihre Zeitung in und über Münster berichten, teilte Verlagsleiter Schumacher nach Abschluss der letzten MZ-Ausgabe der vorigen Woche kurz mit, dass sie sich um Arbeit bei der neuen Media Service GmbH & Co. KG bewerben könnten. Diese Firma ihres Arbeitgebers stellt nun den Lokalteil der Münsterschen Zeitung im angestammten Pressehaus an der Neubrückenstraße her. Die Montagsausgabe der Münsterschen Zeitung wird bereits von einem 17-köpfigen, jungen Redaktionsteam um den ehemaligen Sprecher der Bezirksregierung Münster, Stefan Bergmann, produziert.
Der Münstersche Zeitung Verlagsgesellschaft, die die Belegschaft der bisherigen Lokalredaktion der MZ beschäftigt, war schon Ende vorigen Jahres die Produktion von Stadtteilausgaben entzogen und der neuen Firma zugeschlagen worden. Der bisherige MZ-Chefredakteur Claus Jürgen Spitzer soll künftig Herausgeber-Aufgaben übernehmen.
"Es ist traurig, aber wahr", heißt es in der Pressemitteilung des Presseverein Münster-Münsterland e.V. abschließend, "aber mit der Freistellung wird für die demokratische Gesellschaft wertvolle journalistische Erfahrung einfach auf die Straße gesetzt."


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